

Hoch über der Altstadt von Hann. Münden ragt der Fährenpfortenturm, auch Hagelturm genannt, in den Himmel. Mit seinen rund 40 bis 42 Metern gehört er zu den markanten Bauwerken der Stadt. Wer ihn sieht, begegnet nicht nur mittelalterlicher Stadtgeschichte, sondern auch einem spannenden Kapitel der frühen Industriegeschichte.
Ursprünglich war der Turm Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Er wurde im 14. Jahrhundert errichtet und 1383 erstmals erwähnt. Damals diente er als Wehrturm an der Stadtmauer und sicherte den Bereich der Fährenpforte. Viele Jahrhunderte lang war er also ein Bauwerk der Verteidigung — ein steinerner Wächter am Rand der alten Stadt.
Eine entscheidende Wendung kam im Jahr 1848. Die Firma Haendler & Natermann erwarb den Turm und gab ihm eine völlig neue Aufgabe. Der mittelalterliche Wehrturm wurde aufgestockt: Aus rund 25 bis 26 Metern Höhe wurden mehr als 40 Meter. Diese Höhe war nötig, um im sogenannten Turmgießverfahren Bleischrot herzustellen. Geschmolzenes Blei wurde von oben durch Siebe gegossen. Während des Falls formten sich daraus kleine runde Kugeln, die unten aufgefangen wurden. So wurde aus dem Fährenpfortenturm der Hagelturm oder auch Natermannturm.
Damit erzählt der Turm eine besondere Geschichte: Er steht für den Wandel von der befestigten mittelalterlichen Stadt zur industriell geprägten Stadt des 19. Jahrhunderts. Was einst Schutz und Abwehr bedeutete, wurde später zu einem Ort der Produktion, der Technik und der Arbeit.
Heute ist der denkmalgeschützte Turm ein eindrucksvoller Erinnerungsort. Im Inneren befindet sich das Museum der Arbeit. Dort lässt sich nachvollziehen, wie die historische Hagelschrotherstellung funktionierte. Maschinen, technische Anlagen und die besondere Architektur des Turms machen sichtbar, wie eng Handwerk, Industrie und Stadtgeschichte in Hann. Münden miteinander verbunden sind.
Der Fährenpfortenturm ist damit weit mehr als ein alter Turm. Er ist ein steinernes Geschichtsbuch: mittelalterlicher Wehrbau, industrieller Produktionsort und heutiger Lern- und Erinnerungsraum zugleich. Wer ihn betritt, steigt nicht nur Stufen hinauf, sondern durch mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte.
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