Lenz-Haus – Johannistorstraße 10
(Das ursprüngliche Haus-Nr. “1” in Osterode)
Textquellen: Stadtarchiv Osterode · Recherche: Stadtarchivar Ekkehard Eder · Textfassung: Heike Grobis · Fotos: Daniel Li

Die Balken des Hauses datieren von 1819/20, also aus der Zeit vor 200 Jahren. Allerdings hatte sich im Lauf der Zeit das Umfeld sehr verändert. Nach Abriss des mittelalterlichen Johannistores um 1799 befand sich hier eine Polizeiwache mit Arrestzelle bis 1945. Unterdessen wurde das Haus Nr. 10 am Jahresende 1819 verkauft an Bäckermeister Christoph Friedrich Schrader. Offensichtlich dann ein Neubau. – 1845 begann eine völlig andere Zeit. Eigentümer wurde Färbermeister Joh. Heinr. Schrader, der seinen Betrieb dahin bewarb, dass er „Tuch-, Wolle-, Seiden-, Baumwollen- und Leinen-Zeuge in jeder Qualität färbe, drucke und appretiere“. Hierzu diente ein Nebengebäude im Hof als Färberwerkstatt und Stall, das Vorderhaus für Wohnzwecke und als Kontor. Trotz des Mühlengrabens nebenan war das Vordergebäude teilunterkellert. Dieser wiederum besaß ursprünglich Gewölbe und Brunnen. – Spezialität des Hauses war Blaudruck. Das dafür wichtige Indigo findet sich auch auf einer Gebäudezeichnung; genau gesagt ein Hinterhaus genannt „Indigo-Färberei“. Die Färbereiabwässer wurden einfach über den Mühlengraben entsorgt. – 1882 übernahm der Sohn von Joh. Heinr. Schrader bis 1900 das Geschäft, nämlich Färbermeister Hermann Emil Schrader. – 1889 entstand ein großes Schaufenster, und neben der Färberei betrieb man auch den Verkauf von Kleidung. Dieser Bereich gewinnt an Bedeutung, und 1894 hieß es: „H. E. Schrader Schönfärberei und Handlung mit fertigen Kleidungsstücken“. Nach dem Tod vom Hermann Emil führte Bruder Theodor Schrader sen. den Laden bis 1946 weiter. Theodor ließ zu Lasten der Färbereiräume 1908/09 die Verkaufsfläche des Textilladens erweitern und den Hofraum überbauen. Schließlich wurde die Färberei aufgegeben, und man konzentrierte sich nur noch auf Textilverkauf; Firmenbezeichnung seinerzeit: „H. E. Schrader Manufakturenwaren- und Aussteuergeschäft“. In den 1920er Jahren gab es im Werkstattbereich vier Näherinnen mit bereits elektrischen Nähmaschinen. – Nachfolger von Theodor war der Sohn Wilhelm, er führte das Geschäft weiter bis zum Tod 1963; gefolgt von Witwe Gertrud. Ein weiterer Sohn von Theodor sen. – auch Theodor, gen. Theo – leitete die Herrenabteilung der Firma und machte sich letztendlich selbständig genau gegenüber von Bruder Wilhelm („Theo Schrader Herrenausstattung“).

     Jetzt ein Blick zurück, und zwar in den Zweiten Weltkrieg: Auf dem Rückzug in den Harz sprengte die Wehrmacht am 11.4.45 alle Sösebrücken, und am schlimmsten getroffen hatte es die Gegend um die Johannistorbrücke: alle Gebäude in Brückennähe zerstört, so u. a. die Polizeiwache. Viele andere wurden stark beschädigt, und auch die Nr. 10 etwa zu 60 %. Durch mangelndes Baumaterial konnte der Bau erst Jahre später endgültig repariert werden. 1949 wurde das EG dem Zeitgeschmack angepasst, aber in den Obergeschossen blieb das Holzfachwerk erhalten, wenn auch zur Johannistorstraße hin mit Querverbretterung. Die Fenster zeigen wohl noch klassizistische Rahmung. Die Hintergebäude samt Verbindungsbau mussten nach dem Krieg erneuert werden.    Auf dem Platz der ursprünglichen Polizeiwache wurde 1949 ein Pavillon erbaut. Nach Schließung des Modegeschäfts 1977 hat man hier „Spielwaren-Lenz“ eingerichtet. – Den Großbrand 1979 hat Nr. 10 als einziges Haus der Straßenseite heil überstanden. Nachdem „Spielwaren-Lenz“ 2011 geschlossen wurde, wird das jetzt städtische Gebäude saniert für neue Nutzungspläne. Interessant: Beim Abriss des o. g. Pavillons 2016 kamen Mühlengraben und Stadtmauerreste zum Vorschein (abgedeckt).

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