Kornmagazin – Eisensteinstraße 1

Dies ist ein wahrhaft „königliches Haus“, denn der Bauherr ist Kurfürst Georg I. von Hannover, gleichzeitig König von England. Grund: Zur Erbauungszeit ab 1719 besteht bereits die sog. Personalunion, aufgrund derer die Welfen und die „Royals“ noch heute verwandt sind. Hintergrund zum Bau ist der, dass u. a. das Klima im Oberharz seinerzeit einen hinreichenden Getreideanbau verhindert. Daher entsteht durch die Bergbauverwaltung vor Osterode ein mächtiger Getreidespeicher von ca. 70 m Länge mit einem Fassungsvermögen von etwa          2 Mio. kg Getreide. Dieser auffallende Bau – der einzige in Osterode nicht aus Fachwerk –, ist ein Massivbau aus Gipsvorkommen in der Nähe Osterodes, die gewaltigen Balken für den Innenausbau stammen aus der Umgebung, und für den Dachschiefer legt man einen Steinbruch an bei Elbingerode. Als Feuchtigkeitsschutz wird zunächst eine Art Drainage gelegt. Auch neu sind die ersten „Gastarbeiter“ in Osterode: die Leitung des Baus besitzt der hann. Hofmaurermeister Sebastian Crotogino aus Italien, samt drei italienischen Facharbeitern. Dennoch stammt die eigentliche Facharbeit zumeist von Osteroder Fachhandwerkern. Die Mauerstärke verjüngt sich je Stock von 1,75 m im EG bis zu 0,75 m im obersten Vollgeschoss. Es gibt 5 Böden sowie 164 Fenster. Das Gebäude war das größte Kornmagazin des Harzes und ist heute das einzig erhaltene. Das Getreide, zu günstigen Preisen eingekauft, wird seinerzeit mit riesigen „Fruchtkarren“ durch Fuhrleute hierhergebracht und per Lastenaufzügen auf den Böden verteilt. Beim Preisanstieg kommen Eselkarawanen zum Einsatz, welche das Korn in die Bergstädte tragen, wo es zu niedrigen Festpreisen verteilt wird. Die Eisengitter vor den Fenstern sollen einst übrigens nicht vor Ausbrechern schützen, sondern vor Einbrechern, denn auch für hungernde Osteroder ist das Getreide tabu. Etwa 1910 stellt man den Betrieb ein; es gibt div. Einzelbetriebe wie Kartoffellager oder „Supermarkt“. 1989 Umbau zum Rathaus.     Vorderfront mit Wappen: Die Hauptinschrift „Utilitati Hercyniae“ beschreibt die Aufgabe: „Zum Nutzen des Harzes“ – nicht der Osteroder!  Das Sandstein-Wappen selber zeigt das damalige englisch-hann. Wappen mit vier Wappenfeldern. Interessant sind die frz. Lilien als Anspielung des englischen Königshauses auf Gebietsansprüche in Frankreich. Angeblich wird es daher in der Napoleon-Zeit hinter Brettern versteckt. Durch die Personalunion ist dieses Wappen bzw. etwas veränderte Fassungen davon in div. welfischen wie auch in englischen Städten zu finden, und durch das Commonwealth ebenso in einigen „exotischen“ Gegenden. 2014 interessierte sich das NDR-Fernsehen für Kornmagazin und Wappen.

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