Schlagdspitze

Die Schlagd war einst das pulsierende Ufer der Stadt. Hier wurden Flöße zusammengestellt, Waren umgeschlagen und Schiffe beladen. Das Wasser war Verkehrsweg, Lebensgrundlage und Verbindung zur Welt. Ohne die Flüsse wäre Hann. Münden nie zu der bedeutenden Handelsstadt geworden, als die wir sie heute kennen.
Doch die Schlagdspitze erzählt nicht nur von Aufbruch und Handel. Sie erinnert auch an die dunklen Kapitel der Stadtgeschichte. In der Nacht zum 3. Oktober 1939 wurde der jüdische Mitbürger Erwin Proskauer von Nationalsozialisten aus seiner Wohnung gezerrt und in die Werra getrieben. Sein Weg endete im Wasser, seine Geschichte darf nicht im Strom der Zeit verloren gehen. Die Schlagdspitze ist deshalb auch ein Ort des Erinnerns und der Verantwortung.
Heute verweilen Menschen auf den Uferstufen, beobachten das Zusammenfließen der Flüsse oder beginnen von hier aus ihre Reise entlang der Weser. Das Wasser folgt unbeirrt seinem Weg – und nimmt die Geschichten der Stadt mit sich.

