St.-Aegidien-Marktkirche Martin-Luther-Platz 2

Vermutlich um 1277 entsteht das Kirchengebäude der St. Aegidien-Marktkirche und bildet mit dem im 14. Jh. genannten Rathaus den Stadtmittelpunkt. In dieser Kirche wird 1537 durch Andreas Domeyer die Reformation eingeführt, was nicht unproblematisch vonstattengeht. Sein ärgster Gegner versucht, ihn mit allen Mitteln zu vertreiben. Angeblich lässt er gar die Kanzel präparieren, auf dass sich Domeyer den Hals brechen möge, was dann nicht geschieht. Der große Stadtbrand 1545 vernichtet auch das Innere der Kirche, und so muss man sich Altar und Glocken der damals unbenutzten Marienkirche „ausleihen“. Ab 1551 wird die Kirche zur Ruhestätte der Herzöge von Braunschweig-Grubenhagen, deren Vorfahren u. a. auf der Alten Burg in Osterode bzw. ab 16. Jh. auf dem Herzberger Schloss wohnhaft waren. Seit 1881 stehen deren Grabplatten im Chor. Vorübergehend nimmt St. Aegidien die Gemeinde der maroden Marienkirche auf, weshalb man das Kirchenschiff im 17. Jh. Richtung Martin-Luther-Platz erweitert. Etwa zu diesem Zeitpunkt entsteht wohl auch die kostbare Kassettendecke mit biblischen Gestalten. Als 1658 der geliehene Altar der Marienkirche zurückgegeben werden muss, stiftet der todkranke Medizinstudent Ernst Klapprodt einen neuen. Damals befindet sich die Kanzel noch außerhalb des Altars. Erst bei einem weiteren Umbau im 18. Jh. verlegt man diese direkt in den Altar („Kanzel-Altar“). Zudem zeigt das Kirchenschiff keine Kreuzesabbildungen, sondern alles, was in dieser Kirche geschieht, das geschieht unter einem gewaltigen Deckenkreuz. 1927 kommt schließlich das wertvolle Taufbecken von 1589 aus der abgerissenen Friedhofskirche hierher. 1999 werden im steinernen Altarsockel verborgene Stoff- und Knochenreliquien entdeckt, die möglicherweise zurückreichen in die Gründungszeit.    Kurz zum Turm: Dieser geht zurück auf einen mittelalterlichen Wachturm. Lange Zeit wohnt hier in Person des Turmwächters der „oberste Feuermelder“. Dramatisch wird es 1882, als (u. a.) der Turm nachts selber Feuer fängt und der Türmer inmitten des brennenden Turms weiter die Feuerglocke läutet; zuletzt muss er selber gerettet werden. Der neue Turmaufsatz erweist sich in den 1940er Jahren als zu schwer, und so ist der Turm 10 Jahre lang „helmlos“. Durch eine Bürgerinitiative erhält er 1950 den heutigen hohen Aufsatz, und bis zum Wetterhahn sind es ca. 60 m Höhe. Seit Jahren gibt es regelmäßige Turmführungen – immerhin ca. 180 Stufen hoch.

(Text: Heike Grobis)

Lage

Was geht ab in diesem Denkmal?

Programm

Keine Veranstaltung gefunden

Kunst